Beten ist weit mehr als nur Worte an Gott zu richten – es ist harte, aber wertvolle Arbeit. Jesus selbst macht in Matthäus 6,5-8 deutlich, wie Gebet nicht sein soll: kein Schauspiel für andere, kein leeres Geplapper. Stattdessen lädt er uns ein, im Verborgenen mit unserem Vater zu sprechen, der uns sieht und erhört.
Im Leben eines Christen gibt es verschiedene Gebetsformen, die alle ihre Bedeutung haben. Da ist die Anbetung und der Lobpreis, durch die wir in den himmlischen Chor einstimmen, der Gott ohne Unterlass ehrt. Das Dankgebet erinnert uns daran, bewusst wahrzunehmen, was Gott täglich für uns tut. Daniel zeigt uns das geregelte Gebet – dreimal täglich kniete er nieder, wie er es immer getan hatte, selbst als es lebensgefährlich wurde. Daneben gibt es das spontane Gebet, der schnelle Hilferuf zu Gott mitten im Alltag, ob vor einem unangekündigten Test oder in wichtigen Entscheidungen. Das gemeinsame Gebet hat besondere Kraft – die Urgemeinde betete ohne Aufhören für Petrus im Gefängnis, und Gott befreite ihn. Das rettende Gebet ist das wichtigste überhaupt: Wer den Namen des Herrn anruft, wird gerettet. Und schließlich die besonderen Gebetszeiten, wo wir uns wie Jesus zurückziehen und ungestört mit Gott allein sind.
Im Kolosserbrief begegnet uns Epaphras, ein Mann, der im Gebet für die Gemeinden ringt und kämpft. Paulus hebt diese Mühe besonders hervor – denn genau das ist Gebet: ein Kampf, ein Ringen, Arbeit für Gott. Epaphras betet nicht für neue Gebäude oder Finanzen, sondern dafür, dass die Christen im Willen Gottes feststehen und nicht vom Glauben abfallen. Er weiß, wie schnell Menschen sich abbringen lassen – durch Verfolgung damals, durch Wohlstand und Selbstzufriedenheit heute.
Wir brauchen Menschen wie Epaphras, die nicht sagen "wird schon werden", sondern die im Gebet für andere kämpfen. Ein Seelsorger in Bielefeld rückt nachts zu Unfällen aus und betet mit Sterbenden. Ein LKW-Fahrer, eingeklemmt in seinem Fahrzeug, weint, als dieser Mann für ihn betet: "Das letzte Mal hat meine Mutter mit mir gebetet, als ich klein war." Selbst ein einjähriges Kind kann lernen, dass Gebet zum Leben gehört – wenn Eltern die Mühe nicht scheuen.
Gebet kostet Zeit, Kraft und Ausdauer. Aber für Gott zu arbeiten ist das Wertvollste überhaupt.
