Jakob kocht eine Linsensuppe, sein Bruder Esau kommt hungrig von der Jagd nach Hause. Was dann passiert, verändert beide Leben für immer: Jakob nutzt die Schwäche seines Bruders gnadenlos aus und fordert für ein Linsengericht das Erstgeburtsrecht. Eine Abkürzung, die ihn teuer zu stehen kommt – 20 Jahre Flucht und Fremde werden folgen.
Wir leben in einer Zeit der Abkürzungen. SMS, WhatsApp, schnelle Entscheidungen. Alles muss effektiv sein, schnell gehen, das Maximum rausholen. Doch was in der digitalen Welt funktioniert, wird in unserem geistlichen Leben gefährlich. Denn Abkürzungen, die wir aus dem Bauch heraus nehmen, verwandeln sich oft in lange Umwege voller Probleme und Ärger.
Die Geschichte von Jakob und Esau in 1. Mose zeigt uns ein erschütterndes Prinzip: Mit welchem Maß du misst, mit dem wirst du gemessen. Jakob betrügt mit dem Erstgeburtsrecht – sein Schwiegervater Laban betrügt ihn mit der erstgeborenen Tochter. Jakob nutzt zwei Böcklein zur Täuschung – Jahre später bringen seine Söhne ihm das blutige Gewand Josefs, getränkt mit dem Blut zweier Böcklein. Seine Mutter Rebekka sagt: "Dein Fluch komme auf mich" – sie sieht ihren Sohn nie wieder.
In 2. Samuel 22,27 steht: "Gegen die Heiligen bist du heilig, gegen die Treuen bist du treu, gegen die Reinen bist du rein und gegen die Verkehrten bist du verkehrt." Ist Gott damit ungerecht? Nein – er erzieht uns. Er zeigt uns, dass hinterlistiges Handeln Konsequenzen hat.
Jakob verdrängt seine Schuld 20 Jahre lang. Doch dann, auf dem Heimweg, erfährt er: Esau kommt mit 300 Mann. Plötzlich fällt ihm die "Leiche unter dem Teppich" wieder ein. In dieser Nacht ringt ein Mann mit ihm bis zur Morgenröte – Gott selbst stellt sich ihm entgegen. Jakob kann nicht mehr ausweichen, nicht mehr fliehen. Er muss sich seiner Vergangenheit stellen.
Und dann steht da dieser wunderbare Satz: "Als Jakob den Schauplatz verließ, ging die Sonne über ihm auf." Wenn wir aufräumen, wenn wir klaren Tisch machen, geht wieder Licht auf in unserem Leben. Gott macht aus Jakob, dem Listigen, Israel – den Gotteskämpfer.
Auch Petrus musste durch diese Stunde der Wahrheit. Dreimal verleugnete er Jesus, dreimal fragt Jesus ihn später: "Simon, hast du mich lieb?" Jesus kennt uns auswendig, aber er will, dass wir aufrichtig zu ihm sind.
Je schneller wir uns unserer Vergangenheit stellen, je schneller wir bereit sind, Gott zu begegnen, desto besser wird es in unserem Leben. Wir können es 20, 40 Jahre hinausschieben – aber irgendwann kommt diese Situation. Vor Gott sind wir ein offenes Blatt. Aber die gute Nachricht ist: Er liebt dich. Er will, dass die Sonne in deinem Leben aufgeht. Er will nicht, dass du dich verstecken musst oder mit schlechtem Gewissen aufwachst.
