Abendmahl - in Gemeinschaft mit Gott und Menschen
Jesus hat beim letzten Passahfest mit seinen Jüngern etwas Revolutionäres getan: Er hat ein altes Fest mit völlig neuer Bedeutung gefüllt. "Das tut zu meinem Gedächtnis", sagte er, als er Brot und Wein austeilte. Doch um zu verstehen, was das Abendmahl wirklich bedeutet, müssen wir zurück zum Passahfest der Israeliten.
Stell dir vor: Ein ganzes Volk in Sklaverei, jahrelang unterdrückt in Ägypten. Gott verspricht Befreiung, doch der Pharao weigert sich. Erst nach zehn Plagen gibt er nach. Bei der letzten Plage sollte jede Erstgeburt in Ägypten sterben – außer dort, wo Blut eines fehlerlosen Lammes an den Türpfosten strich. Dieses Blut rettete Leben. Die Familien aßen das Lamm gemeinsam, bereit zum Aufbruch, Schuhe an den Füßen, Stab in der Hand. Nichts durfte übrig bleiben – war eine Familie zu klein, schloss sie sich mit anderen zusammen. Gemeinschaft war von Anfang an Teil dieses Bildes.
Dieses makellose Passahlamm weist direkt auf Jesus hin. Petrus schreibt: "Ihr seid erlöst mit dem teuren Blut Christi als eines unbefleckten und unschuldigen Lammes." Das Blut Jesu rettet nicht nur – es reinigt dein Gewissen von toten Werken. Und das Wunderbarste: Als Jesus starb, zerriss der Vorhang im Tempel. Plötzlich war der Zugang zu Gott für jeden möglich. Nicht mehr nur für Priester, sondern für dich und mich.
Doch hier liegt eine Herausforderung: Gnade anzunehmen fällt schwer. Wir wollen etwas beitragen, uns selbst verbessern, perfekter werden. Aber Gott will, dass du ehrlich vor ihn kommst und sagst: "Herr, ich brauche deine Gnade." Der Prophet Jona hatte genau damit ein Problem. Als Ninive umkehrte und Gott vergab, war Jona so niedergeschlagen, dass er sterben wollte. Er konnte nicht verstehen, wie Gott so gnädig sein konnte. Dabei hatte Gott ihm selbst gerade vergeben – nach drei Tagen im Bauch eines Fisches.
Was hält uns als Gemeinde eigentlich zusammen? Nicht Musikgeschmack, nicht Kleidung, nicht sozialer Hintergrund. Es ist die Gemeinschaft durch Jesus Christus. Wenn wir das Abendmahl feiern, feiern wir diese Vergebung – vertikal mit Gott und horizontal miteinander. Die Fußwaschung zeigt genau das: "Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Teil an mir", sagte Jesus zu Petrus. Es geht um Demut, Liebe, Vergebung.
Paulus mahnt uns, würdig zum Abendmahl zu kommen. Das bedeutet: Prüfe dich. Steht etwas zwischen dir und deinem Bruder? Zwischen dir und Gott? Dann ist jetzt Zeit zur Umkehr. 1945 in Dachau machten befreite Häftlinge Striche auf Tafeln der Wachleute – für jede erlittene Misshandlung. Doch die polnischen Priester gingen vorbei, ohne einen Strich zu setzen. Sie hatten längst vergeben.
Gott hat dich vom Tod ins Leben geführt. Er hat dir Gnade geschenkt, die du nicht verdient hast. Die Frage ist: Bist du bereit, diese Gnade auch anderen zu schenken?
