Jesus betete zum Vater: "Ich bitte, dass sie alle eins seien... damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast." Diese Bitte aus Johannes 17 trägt eine gewaltige Dimension – durch unsere Einheit soll die Welt erkennen, wer Gott ist. Doch wie steht es um diese Einheit?
Wenn Gott auf die Menschen beim Turmbau zu Babel schaute, sagte er etwas Bemerkenswertes: "Jetzt wird sie nichts davon zurückhalten, das zu tun, was sie sich vorgenommen haben." Die Menschen waren einig – allerdings in ihrer Rebellion gegen Gott. Trotzdem zeigt dieser Satz das göttliche Potenzial, das in Einheit liegt. Wenn zwei oder drei in Jesu Namen zusammenkommen und eins sind, können sie bitten, was sie wollen. Was könnten dann 20, 50, 100 oder tausende bewirken, die wirklich eins sind?
Die Gesellschaft damals nach der Sintflut hatte direkte Augenzeugen – Noah lebte noch 350 Jahre danach, seine Söhne sogar 500 Jahre. Die Menschen kannten die Geschichten, hatten mit denen gesprochen, die Gottes Handeln erlebt hatten. Und doch wurde diese Generation innerhalb kürzester Zeit gottlos, verdorben, rebellisch. Respektlosigkeit führte zu Rebellion – aus Ham, der seinen Vater verspottete, kam Nimrod, der gewaltige Jäger gegen Gott.
Heute sind die Menschen klug, wenn es um Karriere, Geld oder irdische Dinge geht. Sie vereinigen sich sofort für schlechte Zwecke. Jesus sagte: "Die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder des Lichts." Aber was hindert uns, uns für das Gute zu vereinigen? Wir haben das gleiche Potenzial, die gleiche Möglichkeit. Nur schaffen wir es nicht, eins zu sein im Positiven.
Was gibt es alles für Probleme unter Christen! Der eine sagt: "Die sammeln mit einem Korb – eine Sekte!" Der andere: "Die tragen alle Krawatten – eine Sekte!" Ein dritter: "Da steht ein Schlagzeug – eine Sekte!" Die einen beten im Stehen, die anderen im Sitzen. Jeder meint, seine Art sei die einzig richtige. Aber müssen wir in diesen Dingen vollkommen eins sein? Christen in Afrika kleiden sich anders, in Indien wieder anders, in arabischen Ländern gibt es gar keinen Gottesdienst, wie wir ihn kennen. Aber es sind unsere Brüder und Schwestern!
Hebräer 12,1 sagt: "Lasst uns ablegen alles, was uns beschwert." Schau – der Schreiber wendet sich an dich, an mich. Er sagt: Leg DU ab. Fang mit dir an, nicht damit, andere zu verändern. Wie viel sprechen wir von Heiligkeit, und wie viel Streit entsteht genau auf dieser Ebene? Dann sind Menschen ganz "geheiligt", aber sie stiften Trennungen sondergleichen. Was bringt diese Heiligkeit, wenn sich aufgrund dessen Gemeinden trennen und Familien zerreißen?
Die Liebe sei mit Ehrerbietung, steht in Römer 12. Mit Respekt, mit Wertschätzung, mit Achtung – auch wenn ein Mensch sich anders verhält, als du es möchtest. Auch wenn er ganz andere Traditionen hat. Wo bleibt diese Ehrerbietung, diese Liebe zum Nächsten? Dann helfen alle frommen Sprüche nichts.
Wenn Gott mit mir Gnade hatte – und ich muss immer wieder staunen, warum er das tat – wie kann ich dann zum anderen ungnädig sein? Paulus betet in Epheser 3, dass Gott uns Kraft gibt, innerlich stark zu werden, dass wir in der Liebe Gottes fest verwurzelt sind. Nur dann können wir diese Liebe weitergeben. Er ermahnt uns, der Berufung würdig zu leben: "Ertragt einer den anderen in Liebe. Seid darauf bedacht, die Einigkeit im Geist zu wahren."
Bei Ausgrabungen in Jerusalem fand man ein Knochenkästchen mit der Aufschrift: "Simon, Erbauer des Tempels." Kein Familienname, keine lange Geschichte – nur diese eine Zeile. Möge man über uns sagen können: Das war ein Mensch, der Gemeinde gebaut hat. Nicht jemand, der Trennungen anrichtete oder verbrannte Erde hinterließ, sondern ein Friedensstifter, der aufbaute statt niederriss. Denn Jesus bat den Vater darum, dass wir vollkommen eins sind – damit die Welt erkennt, dass der Vater seinen Sohn gesandt hat.
